Grüne Geldanlagen – mit sauberen Investments und gutem Gewissen

Windkraftanlagen oder Solarparks können sich richtig lohnen. Nachhaltige Geldanlagen liegen im Trend. Nach einer aktuellen Umfrage der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) achten inzwischen sieben von zehn Deutschen darauf, dass ihre Geldanlage nachhaltig ist. Besonders bemerkenswert: Die Sorge, dass man damit weniger Rendite als mit einer klassischen Geldanlage erzielt, spielt dieser Umfrage zufolge keine Rolle. Grüne Investments boomen Tatsächlich gehört zu einer grünen Geldanlage oft immer noch ein Stück Idealismus, denn die Reduzierung von Schadstoffemissionen gibt es nicht für umsonst. Doch grüne Geldanlagen können – nicht zuletzt aufgrund zahlreicher staatlicher Fördermaßnahmen – auch finanziell durchaus interessant sein.

Chancen & Risiken

Mehr noch, in vielen Fällen handelt es sich bei grünen Investments um eine Art Wette auf die Zukunft, die eine hohe Rendite abwerfen kann. Wer hätte zum Beispiel 1975 gedacht, dass ein gewisser Bill Gates mit seiner Geschäftsidee für ein Computer-Betriebssystem namens Windows ein neues technologisches Zeitalter einläuten und zu einem der reichsten Menschen der Welt werden würde? So ähnlich verhält es sich auch mit den neuen ökologischen Schlüsseltechnologien. Aber dort, wo es Gewinner gibt, wird es auch Verlierer geben. Wird sich beispielsweise das Konzept der batteriegestützten Elektromobilität durchsetzen, oder werden künftig Brennstoffzellenautos, die Strom aus Wasserstoff generieren, die Nase vorn haben? Hinzu kommt noch ein anderes Problem, denn auf der grünen Welle reiten auch Trittbrettfahrer, die ihre Investments lediglich grün lackieren, um von dem derzeitigen Boom zu profitieren. Wie also erkennt man, ob ein Fonds oder eine Unternehmensbeteiligung tatsächlich ökologisch sinnvoll ist? Die Europäische Union hat dazu zwar ein umfangreiches Regelwerk auf den Weg gebracht, doch in der Praxis haben Anbieter von grünen Geldanlagen zu dieser Frage häufig ein unterschiedliches Verständnis.

Do it yourself

Photovoltaik

Wer sich von dieser Verwirrung der Gefühle« nicht anstecken lassen will, kann sich dem Thema grüne Investments auch ganz pragmatisch nähern. Ein Eigenheimbesitzer kann sich beispielsweise eine Photovoltaikanlage auf das Dach seines Hauses setzen lassen. Wer eine Eigentumswohnung besitzt, muss sich dagegen mit den anderen Eigentümern über eine solche Investition einigen. Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach oder auf dem Carport kann man die monatliche Stromrechnung senken und bekommt für den Strom, den man nicht selbst verbraucht und in das Stromnetz einspeist, Geld vom Netzbetreiber. Die Vergütung für eingespeisten Strom wird durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert und ändert sich monatlich. Im April 2021 betrug sie für Anlagen mit bis zu 10 kWp Nennleistung 7,81 Cent pro Kilowattstunde. Bei einem Preis von ungefähr 30 Cent pro Kilowattstunde, den man als Verbraucher zahlt, wenn man Strom aus dem Netz bezieht, wird deutlich, dass bei neuen Anlagen der Verkauf von Strom ein schlechtes Geschäft ist. Besser fährt man, wenn man den Strom selbst verbraucht. Wer das mit einem Stromspeicher tun will, sollte jedoch genau rechnen. Denn die gängigen Geräte dafür kosten zwischen 2 000 und 8 000 Euro. Mit der Gegenüberstellung der Kosten für die Photovoltaikanlage (Abschreibungen, Finanzierungszinsen usw.) und den eingesparten Stromkosten ist es aber nicht getan. Wer eine Photovoltaikanlage betreibt und Strom in das Netz einspeist, gilt steuerlich als Unternehmer. Verluste aus dem Betrieb einer solchen Anlage kann man in seiner Einkommensteuererklärung mit anderen Einkünften zum Beispiel aus einer Arbeitnehmertätigkeit verrechnen und so Steuern sparen. Die Steuererparnis gehört für den Betreiber also in die Gewinn-Verlust-Betrachtung. Wärmepumpen Eine andere Möglichkeit, grün zu investieren und selbst direkt aktiv zu werden, bieten Wärmepumpen. Statt einer klassischen Gasbrennwertanlage können sich Eigenheimbesitzer auch eine solche Heizungsanlage in ihr Haus bauen lassen und so ihre Heizkosten um bis zu 75 Prozent senken. Gleichzeitig verringern sie dadurch den CO2-Ausstoß gegenüber Heizungen mit fossilen Brennstoffen um ungefähr 50 Prozent. Wärmepumpen eignen sich nicht nur für eine Heizungsanlage und zur Warmwasserbereitung, sondern im Sommer auch für die Kühlung der Wohnung. Die Energie wird entweder über die Luft, die Erde oder das Grundwasser gewonnen. Um diese Energie in Wärme umzuwandeln, benötigen Wärmepumpen 25 Prozent Strom als Antriebsenergie. Die Anschaffungskosten werden mit bis zu 45 Prozent vom Staat gefördert.

Sparpläne & Co.

Sparen ohne Risiken Wer es mit einer grünen Geldanlage erst einmal eine Nummer kleiner angehen will, ohne sich aber gleich mit einem Fonds oder einer Anleihe an die Börse zu wagen, sollte sich Sparprodukte wie Festgelder oder Sparbriefe anschauen. Denn viele Banken legen sich bei diesem Thema fest. Sie garantieren, dass mit dem Geld ihrer Kunden energetische Sanierungen oder an dere ökologische Projekte finanziert werden. Um sich ein Bild von den angebotenen Sparprodukten zu machen, sollte man sich deshalb Rat bei einem Kenner der Bankenszene suchen. Natürlich sind die Zinsen, die für Sparprodukte gezahlt werden, meistens sehr gering. Rechnet man die Inflationsrate dagegen, bedeutet das in der Regel sogar eine negative Realverzinsung (Nominalzinssatz minus Inflationsrate). Allerdings, und auch das gehört zur Wahrheit, drohen immer mehr Banken sogar mit Minuszinsen. , Einlagensicherung Auch wenn man mit Sparplänen, Tagesgeldkonten oder Sparbriefen nicht reich werden kann, bieten diese Sparformen einen großen Vorteil gegenüber anderen Geldanlagen. Ähnlich wie beim Girokonto greift hier mindestens die gesetzliche Einlagensicherung von 100 000 Euro pro Kontoinhaber.

Investments

Aktiv investieren Wer mit grünen Geldanlagen in der Bundesliga spielen will, muss dafür in Fonds, Anleihen oder Unternehmensbeteiligungen investieren. Fonds bieten dabei den Vorteil, dass Anleger ihr Geld breit gestreut investieren können und damit ihr Anlagerisiko reduzieren. Das Angebot ist inzwischen kaum noch überschaubar und reicht von klassischen Aktienfonds über grüne Mischfonds bis hin zu Fonds, die in grüne Anleihen investieren. Mehr noch als bei gängigen Investmentfonds, die aktiv gemanagt werden, macht es hier Sinn, sich vorab einen Überblick über den Investmentstil des Fondsmanagements zu verschaffen. Dazu sollte man unbedingt die Expertise eines Finanzberaters hinzuziehen, denn nicht immer ist auch da grün drin, wo grün draufsteht. , Passiv investieren Etwas entspannter stellt sich die Lage dar, wenn man sich für einen passiv verwalteten Fonds (ETF) entscheidet. Das Spektrum reicht hier von ETFs, die einen Aktienindex nachbilden, der Unternehmen umfasst, die zum Beispiel auf eine bestimmte grüne Schlüsseltechnologie wie Wasserstoff setzen, bis hin zu ETFs, die sich thematisch auf bestimmte Naturressourcen wie Wasser konzentrieren. , Beteiligungen Während man sich mit einem offenen Aktienfonds indirekt an Unternehmen beteiligt, kann man das auch ohne diesen Umweg direkt als Unternehmer« tun. Oft gibt es an dieser Stelle Verwirrung, denn viele Windkraft- oder Solarparks werden über geschlossene Fonds finanziert. Da die jedoch meist als Kommanditgesellschaften betrieben werden, hat ein Investor oder Teilhaber juristisch den Status eines Kommanditisten. Damit gilt er steuerlich als Unternehmer und kann Verluste aus dem Betrieb einer Windkraftanlage oder eines Solarparks, an denen er beteiligt ist, steuerlich geltend machen, wenn das Unternehmen vor allem in der ersten Zeit kaum Einnahmen erzielt.

Dass aber auch hier nicht alles glänzt, was ökologisch leuchtet, zeigt das Beispiel Prokon. Seit 1998 hatte das Unternehmen ökologische Kapitalanlagen« als Kommanditbeteiligung an solchen geschlossenen Windpark-Fonds angeboten. Ab 2003 gab es dann auch die Möglichkeit, Genussrechte zu kaufen. 2014 musste Prokon Insolvenz anmelden. Ein Jahr später endete das Insolvenzverfahren mit der Umwandlung der GmbH in eine Genossenschaft. Die Gesellschafter hatten bis dahin etwa 42 Prozent ihrer Investitionen verloren. Unter dem Strich wird deutlich, dass sich ein guter Berater auszahlt, mit dem man sich im Vorfeld einer solcher komplexen Beteiligungen austauscht.

WIE GRÜN SIND EIGENTLICH GRÜNE INVESTMENTS?

Wissen Sie, wie grün der Fonds wirklich ist, den Sie gekauft haben? Seit zwei Monaten ist es für Anleger einfacher, auf diese Frage eine Antwort zu bekommen. Denn seit dem 10. März gilt mit der Ver-ordnung der EU über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor eine Regelung, die die Fonds branche zwingt, bei dieser Frage die Hosen buchstäblich herunterzulassen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang außerdem die 600 Seiten starke Taxonomie-Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates, die bereits am 12. Juli 2020 in Kraft getreten ist. Dabei handelt es sich um ein Klassifizierungssystem für Anlageprodukte mit ökologischen Nachhaltigkeits zielen. Diese »Regulierungswut« macht Sinn. Denn oft springen auch Anbieter mit lediglich »grün gewaschenen« Produkten auf den Zug auf. Wer grün investieren will, sollte das ganz bewusst tun. Eine Möglichkeit bieten zum Beispiel Banken oder Fondsgesellschaften, die sich dem Nachhaltigkeitsgedanken bereits seit Langem ver-schrieben haben. Ambi tionierten Anlegern bieten sich auch das Klimarating Climetrics für Fonds oder das ESG Fund Rating als Orientierung an. Letzteres geht über ökologische Fragestellungen hinaus, weil damit neben der umwelt- auch die sozial- und governance-bezogene Performance von Aktien- und Rentenfonds bewertet wird.

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